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Kommentar von Jürgen Zietlow

Bist Du noch Standard oder wirkt es schon?

12/2015
Jürgen Zietlow

Ich bin sie leid, die 08/15-Drucksachen, die massenhaft produzierten Armutszeugnisse, die das Gegenteil vom Gewollten dokumentieren: Gewöhnlichkeit und manchmal auch, grummelig formuliert, fehlende Verantwortung und sogar Egoismus.

Manchmal ist eine herkömmliche Drucksache ausreichend. Aber manchmal lohnt es sich, Drucksachen bewusster zu planen und sie erst dann zu bestellen.

Manchmal reicht eine herkömmliche Drucksache. Aber doch bitte nicht bei Image-Werbung. Schnell wird aus dem Schnäppchen ein Näpfchen – ein Fettnäpchen! Vor lauter Lust an supergünstigen Drucksachen, übersehen Printbuyer glatt die gewollte Funktion. Jede Drucksache soll irgendwas erreichen, oder nicht? Fürchterlich, wie gewöhnlich häufig Formate und Materialien sind und sagen: Das Design sollte auch nichts kosten. Nicht einmal Zeit. Selbst nicht für die eigenen Kunden.

Standard oder richtig drucken?

Gedruckte Monokultur. Reizüberflutung. Standard  performt zwar nicht, war aber billig und vollautomatisch? Wo ist das die Logik? Schrecklich, oder nicht? Preishammer! Preishammer?

Ich weiß schon, dass Stangenware vom Druckautomaten oft genügt. Und ja doch: Anbieter günstiger Drucksachen liefern pünktlich, in ordentlicher Qualität und im Regelfall auch ohne Beanstandungen. Hier sind neue Märkte entstanden, neue Potenziale wurden gehoben.

Im Ergebnis gehen viel mehr Leute zum Drucker als vor 20 Jahren – sogar Hardcore-Edding-Designer, die auf ihre selbst gemachten und dann kopierten Flyer schworen.

Tja, und so sehen manche Drucksachen dann auch aus. Ohrfeigen für alle Kreativen, die mit dem Druckwerk während seines Lebenszyklus kontaminiert werden. Die Discountdruckereien sind nicht Schuld daran – sie leiden bestimmt mit.

Individuelle Drucksachen als Botschafter 

Aber gerade das gesamte Konzept neben dem Design, also die technische Korrektheit der Anlagen (Auflösung, Schriftbild, Satz, Layout), die Message, Typografie, Individualität und natürlich das Material entscheiden doch elementar über das Image des Überbringers/Versenders von Drucksachen. Abgrenzung ist gefragt. Was sonst?

Nur, weil Uschi von Uschis Nagelstudio jetzt gleich 10.000 Flyer bestellt, weil‘s so günstig war, obwohl sie im Leben nur 500 verteilen wird, muss doch nicht jedes Druckwerk unter den Preishammer. Das ist Print- und Design-Zombieismus und. Antiwerbung par excellence. 

Kunden in der Kommunikation „von der Stange“ präsentiert, wird entsprechend wahrgenommen. Was sonst ist die Funktion der meisten Drucksachen im digitalen Zeitalter? Wer braucht denn heute noch eine Visitenkarte?

Es gibt Millionen von Ideen für individuell erstellte Drucksachen. Individualität zahlt sich fast immer aus – nicht nur bei der für den ersten Kontakt so wichtigen Visitenkarte.

Solche Produkte sind reiner Luxus. Sorry, es müsste heißen: Solche Individualdrucksachen sind ein Luxus, Drucksachen für unsere geschätzten Kunden intensiv für unsere Botschaft sprechen zu lassen. Individuell und einzigartig, multisensorisch, raffiniert. Individualität zahlt sich fast immer aus – nicht nur bei der für den ersten Kontakt so wichtigen Visitenkarte.

Richtig geile Medien, performanter, erfolgreiche „Design- und Haptik-Porn“-Ware gibt es nur beim Individualdrucker – manchmal sogar bei dem, der auch Discountware produziert, dann aber eben auch nicht zum Discountpreis.

Haptik, Fairness, Nachhaltigkeit und pfiffige Designs sind Botschaften, bei denen sich die Möglichkeiten von individuell-analogen Medien nicht nur über Stangenware, sondern auch über digitale Informationen würdig erheben.

 

Drucksachen sind Image

Eine Riesenchance für Printbuyer, sich abzugrenzen und für Druckereien, diesen Vorteil klar zu kommunizieren. Schließlich gilt: Alle Drucksachen sind „Visitenkarten“ des Unternehmens. Und Nachhaltigkeit zählt heute definitiv dazu. Eine Frechheit, Print ohne Label zu versenden. Nichts weiter als Print-Spam.

Apropos: Kürzlich erhielt ich von einer ethisch orientierten Unternehmensberaterin eine nachhaltig produzierte Visitenkarte. Gedruckt auf einem hochwertigen, schweren Recyclingkarton mit relief- und blindgeprägten Lettern und Symbolen. Selbst die Typografie war einzigartig. Keine Bogenware! Wow: Diese Visitenkarte hat ihren Auftrag erfüllt.

Sie liegt auf meinem Schreibtisch neben anderen 08/15-Drucksachen und zeigt mehr als die Adresse, die ich auch hätte googeln können: Die Dame agiert nachhaltig, sie hat Tiefgang, denkt nach, ist kreativ und innovativ und ich war ihr diesen Aufwand wert. ein perfektes Entrée. Ich fühlte mich geehrt.

Nachhaltige Drucksachen oder sonstige zusätzliche Ausdrucksformen, die das eigene Image pointieren, sind nicht nur absolut angesagt, sondern ein Must-have.

Individualdruck als Wertschätzung

Überbringer andere Adresskarten auf meinem Schreibtisch entschieden sich für Monotonie, wahrscheinlich unbewusst konform und exemplarisch für viele andere Drucksachen. Mehr als das sind sie sich also selbst nicht wert, nicht einmal bei der Selbstdarstellung. Vor allem: mehr bin ich ihnen nicht wert? Nachhaltiges Denken? Keine Verantwortung für andere? Null Innovation? Will ich mich mit solchen unkreativen, stumpfen Standardtypen abgeben? Sie werden schließlich nicht mehr als Standard leisten, sparen, wo es nur geht. Nein, will ich nicht.

Außerdem: nicht selten schadet eine No-Label-Drucksache sogar. 

Ich schaue nochmals auf die Botschaft. Da steht wirklich: „Ihr innovativer Partner für . . .“

Dann. seid. auch. innovativ!vielleicht fünfmal teurer, wirken und performen häufig aber auch zehnmal besser. Nicht immer aber häufig gilt also: Am falschen Ende zu sparen, kann sehr teuer werden! Dann ist die Frage berechtigt:

Bist Du noch Standard oder wirkt es schon?

Kommentare

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12.12.2015 um 15:43 Uhr
Christian S. schreibt
So ist es Herr Zietlow. Als Kreativagentur erleben wir das selber immer hufiger, dass unsere Kunden wieder mehr Individualitt wagen wollen und mehr Geld ausgeben. Das liegt aber auch an den gestiegenen Marketingkosten fr Internetkampagnen. Sie haben das sehr schn zusammengefasst. Vielen Dank fr einige Anregungen.
15.12.2015 um 20:36 Uhr
h schreibt
Genial und genau so ist es. Ich bin immer sehr stolz und kann es meistens kaum abwarten eine individuell gedruckte Karte zu berreichen. brigens bringt das auch sofort einen guten Gesprchsbeginn mit sich. Auerdem label ich auch meine Drucksachen mit FSC, genau aus den von Ihnen genannten Grnden.

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